General Anzeiger von Montag dem 08.03.2011
Rokoko-Karneval beim Zoch in Oberkassel
Von Katrin Janßen und Stefan Knopp
Oberkassel. Die Hunnen aus Unkel trafen auf die Preußen aus Oberkassel - die Musiker
des Rejiments-Spielmannszuges der Alten Kameraden hatten sich in diesem Jahr
Spitzhelme aufgesetzt.

Es blieb aber alles friedlich unter den Pavillons auf dem Hof des Ehepaars Engel, wo sich die Kameraden seit 2004
regelmäßig vor dem Oberkasseler Zug zum Aufwärmen treffen. "Das ist ja wie eine Ehe", stellte Hausherrin Marlis Engel
fest. "Wir sind im verflixten siebten Jahr. Wenn die sich nicht benehmen, müssen wir uns trennen", scherzte sie.
Bei leckerer Erbsensuppe und warmen wie kalten Getränken füllte sich der Biwak langsam. Alle Gäste wurden vom
Oberkasseler Viergestirn begrüßt. Kinderprinz Eric I. (9) und seine Prinzessin Sarah II. (10) haben ihre Pagen David (10)
und Sophie (9) einfach in den Tollitätenstatus erhoben. "Wir haben schon im Kindergarten immer zusammen gespielt", teilte
der Prinz mit.
Am Freitag hatten sie ihre alte Kita Power Pänz besucht und waren herzlich empfangen worden (siehe auch "Narrenspiegel"). "Da denkt man zurück und merkt: Der Kindergarten ist doch schöner", meinte Eric. Schöner als
was? "Als die Schule natürlich", so die Prinzessin. Sie freuten sich auf die vielen Kamelle, die sie werfen durften. "Hoffentlich ist noch genug übrig am Ende", so der Prinz. "Ich esse so gerne."
Was allerdings keineswegs bedeutete, dass sich das Kinderprinzenpaar beim Zoch zurückhielt - im Gegenteil: Die beiden
Nachwuchstollitäten schaufelten die Kamelle nur so unter ihr jeckes Volk, das sich am Straßenrand bei strahlendem
Sonnenschein dicht an dicht drängte. Doch bevor sich der Prunkwagen der beiden in Bewegung setzte, hatte sich der
bunte Veedelszug schon weit durch den Ort geschlängelt.
Und belegt: Um den närrischen Nachwuchs muss man sich in Oberkassel keine Sorgen machen. Gleich drei Kindergärten
der katholische Kindergarten und dessen Förderverein, der Taubenschlag und die Power Pänz - waren mit eigenen
Fußgruppen dabei. Dabei machten die Don Camillo Kids als Piraten die Straßen unsicher und hatten sogar internationale
Unterstützung angefordert: Sie wurden verstärkt von Gästen aus Norddeutschland, Frankreich und sogar Australien, die den
richtigen Schwung beim Kamellewerfen schnell heraus hatten.
Die Taubenschläger waren hingegen gleich unter den Meeresspiegel abgetaucht und feierten in der Unterwasserwelt. Und
die Power Pänz marschierten vor dem Prinzenpaar, schließlich ging nicht dieses, sondern auch die beiden Pagen dort in
den Kindergarten. Aber nicht nur auf den Nachwuchs konnte Zugleiter Robert Pohl bauen.
Insgesamt waren es rund 800 Teilnehmer, die den Narrenzug ausmachten. Fünf Musikgruppen sorgten für den richtigen
Takt und beste Stimmung am Straßenrand. Ein echter Farbtupfer: "De Jecke Höhner", die unter dem Motto "Rokoko in
Kaassel" venezianisches Flair verbreiteten, während die Mitglieder der Jesus-Maria-Josef-Junggesellen-
Schützenbruderschaft "no 41 Joahr" die Kaasseler Brauerei wieder aufleben ließen und den Gerstensaft auch großzügig an
- erwachsene - Zugzuschauer verteilten.
Den Schlusspunkt bildete der Elferrat der KG Kaasseler Jonge, der alle Zuschauer zum Familienkarneval in die
Jupp-Gassen-Halle einlud. Aber so schnell ging das nicht. Denn auch das hat in Oberkassel Tradition: Kaum war der Zug
an den Zuschauern auf der Königswinterer Straße vorbei gezogen, strömten die Jecken durch die Seitenstraßen zur
Adrianstraße - um pünktlich zum Eintreffen des ersten Zugwagens wieder parat zu stehen, den Schlachtruf "Kamelle" auf
den Lippen. Es gibt eben Dinge, die sind so schön, dass man sie nicht oft genug sehen kann.
Artikel vom 08.03.2011
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